GEOMETRIE DER SEELE

Susanna Ridler hat sich viele Jahre lang mit dem literarischen Werk des Dichters Gert Jonke auseinandergesetzt. Seit 2013 entstanden zahlreiche Kompositionen für verschiedenste Besetzungen. Zentral ist das Trio Projekt Geometrie der Seele mit Peter Herbert, Kontrabass & Wolfgang Puschnig, Altsaxophon, Flöte.

Ihre umfassende Auseinandersetzung mit Gert Jonke mündete 2020/21 in der Tonträger Produktion "Geometrie der Seele, musikalische Hommage an den Dichter Gert Jonke (1946-2009)", in die sowohl kammermusikalische Elemente - komponiert für das Ensemble exxj -  als auch die Stimme von Gert Jonke - aus Original Aufnahmen von 1971-2008 - eingearbeitet wurden.

Die CD wurde für den  Preis der deutschen Schallplattenkritik 2021 nominiert und 2025/26, nach Überarbeitung, erstmals digital in einer dreiteiligen Edition veröffentlicht:
Kammermusikkomposition Chlorophyllklang, die Tondichtung Der Sprachkomponist und die dreisätzige Sonate Radio Jonke.


CD 2021 nominiert für den Preis der deutschen Schallplattenkritik





Der Sprachkomponist - digital Release 8.2.2025


Chlorophyllklang - digital Release 30.12.2024


Radio Jonke - digital Release 8.2.2026






Die Geometrie im Jonkipel, oder ein Jonkipel der Seelen-Geometrie

Gert Jonke (1946-2009) wäre am 8. Februar 80 Jahre alt geworden.
Zu seinem Ehrentag gestalten Komponist, Gitarrist und bildender Künstler Wolfgang Seierl und ich einen gemeinsamen musikalischen Abend und verschmelzen unsere langjährigen Jonke-Projekte Geometrie der Seele & Jonkipel.

Mit:
Susanna Ridler: Komposition, Stimme, Elektronik
Wolfgang Seierl: Komposition, E-Gitarre, Elektronik
Lena Fankhauser: Viola
Peter Herbert: Kontrabass
Gina Mattiello: Rezitation
Wolfgang Puschnig: Altsaxophon, Flöte
Asja Valcic: Cello


Ein Abend, mit freudiger Unterstützung der Gert-Jonke-Gesellschaft, welcher dem Credo des Schriftstellers folgt: mit der Sprache zu musizieren.



Konzertkritik


CD Präsentation "Geometrie der Seele", Porgy & Bess 4.2.2012 / Corona-Lockdown-Streaming Concert


CD Präsentation "Geometrie der Seele", Porgy & Bess 4.2.2012 / Corona-Lockdown-Streaming Concert








„Im Künstlerzimmer eines Dichters wie Gert Jonke nach Unveröffentlichtem zu suchen, ist ein so abenteuerliches wie berührendes Privileg. Gedanken, die nie die finale Absolution durch den Autor erlangt haben, zu vertonen scheint auch denkbar heikel. Die Arbeit erfordert Sorgfalt bei der Auswahl und Interpretation der kostbaren Textstellen. Das Beruhigende: Durch ihre teils fragmentarische Anlage ermöglichen die Texte kompositorische Freiheiten, und ohnedies bleibt Gert Jonkes Sprache selbst im Unvollendeten unverkennbar JONKE.
Als ich der besonderen Einladung der Gert Jonke-Gesellschaft & Ingrid Ahrer folgte und „das Künstlerzimmer“ zum ersten Mal betrat, begann eine faszinierende Odyssee durch Mappen und Papierstapel. Ich fand Entwürfe bekannter Texte, die an Jonkes Art der Satz-Konstruktion erinnern, in welchen er oftmals kompositorische Variationstechniken zur Anwendung brachte. Zum andern stieß ich auf unbekannte Textfragmente mit originell-surrealen Reflexionen über die menschliche Existenz. Diese Fundstücke wurden zur Grundlage neuer Kompositionen, in welchen ich versuchte, Jonkes Gedanken und Sprachintensität aus der Musik aufsteigen zu lassen. Dennoch sollen die Stücke auch von improvisatorischen Freiräumen leben, in denen dem spontanen Reagieren reichlich Raum gewährt wird.
Stimme, Saxophon, Kontrabass – dies ist nun nicht gerade eine alltägliche Trio-Besetzung. Mit den Ausnahmemusikern Peter Herbert und Wolfgang Puschnig jedoch – die intuitive Klangwelten und Energiefelder zu entwickeln vermögen – werden die Stücke zu Musikräumen, in denen das Geplante und das Spontane miteinander ausdrucksvoll kommunizieren. Komponierte Zuspielungen wie auch liveelektronisch „Gesampeltes“ erweitern das „Trio“ um ein klangliches Element. „
Der Titel des Projekts „Geometrie der Seele“, beschreibt für mich ein im Laufe eines Lebens entstandenes, unsichtbares seelisches Formenfeld. Zugleich verweist die „Seelen-Geometrie“ auch auf meine langjährige Reise durch die faszinierende Welt Gert Jonkes und meine Begegnung mit Peter Herbert und Wolfgang Puschnig, die mich schon bei meinem Projekt [koe:r] unterstützt haben. (Susanna Ridler)




Konzertkritik


Interview mit Michael Ternai / Mica


Review Kulturzeitschrift



PROJEKT HISTORIE
Susanna Ridler setzte sich infolge eines Kompositionsauftrags des Carinthischen Sommers 2013 aus großer künstlerischer Begeisterung kontinuierlich mit dem literarischen Werk Gert Jonkes auseinander. Diese langjährige musikalische Jonke – „Forschungsarbeit“ wurde von der Gert-Jonke-Gesellschaft aufmerksam begleitet und mit verschiedenen Auftrags- Kompositionen unterstützt (anläßlich des Gert Jonke-Preises 2015 / Grabsstein-Enthüllung am Wiener Zentralfriedhof 2015, Komposition & Performance beim Gert Jonke-Preis 2017 und der Klanginstallation „Pflanzentisch“ anläßlich der Ausstellung im Musilmuseum). 2016 eröffnete die Gert-Jonke-Gesellschaft Ridler die Möglichkeit, auch unveröffentlichte Texte aus dem Nachlaß von JONKE als Inspirationsquelle heranzuziehen. Aus diesen Textfragmenten entstanden unter anderem Kompositionen für Solo-Stimme und Jazz-Trio, wie auch das Kammermusikwerk „Chlorophyllklangpulverstaub oder: Die Erforschung des botanischen Tongewebes“, das im Dezember 2016 in Kooperation mit dem Ensemble XX. Jahrhundert unter der Leitung des Dirigenten Peter Burwik uraufgeführt wurde.
Die Kompositionen für Jazz-Trio wurden unter dem Titel „Geometrie der Seele“ – beim 10 Jahres Jubiläum des Literaturfest Salzburg im Jazzit und der Eröffnung des Bachmannpreises 2017 uraufgeführt.

Es folgten 3 weitere Konzerte – in Bleiburg am 24. Oktober 17, im Porgy & Bess am 9. Jänner 18 und anlässlich des 10. Todestages des Dichters Gert Jonke am 4. Jänner 2019, gestalteten Susanna Ridler und Markus Hering erstmals einen gemeinsamen Gert Jonke – Abend im Gläsernen Saal des Wiener Musikvereins. Grundlage des Abends bildete Ridlers’ Trio-Projekt „Geometrie der Seele” mit Peter Herbert (Kontrabass) und Wolfgang Puschnig (Altsaxophon, Flöte).
Gert Jonke-Gesellschaft: „Ridlers performativer Stil bzw. ihre Herangehensweise an die Vertonung und Interpretation von Texten scheinen uns geradezu ideal, um der hohen Musikalität in Jonkes Sprachkompositionen einerseits und seinen phantastischen Erfindungen über das Phänomen Zeit und Musik andererseits gerecht zu werden.“

Im Laufe der Jahre entstanden so zahlreiche Kompositionen für unterschiedlichste Besetzungen, die Ridler 2020/21 zu einem umfassenden Werk zusammenführte:

"Geometrie der Seele - musikalische Hommage an den Dichter Gert Jonke (1946-2009).


Porgy & Bess 2018, Geometrie der Seele
Gläserner Saal, Musikverein - gemeinsam mit Markus Hering, 2019 Geometrie der Seele


        KONZERT-REZENSIONEN 2014-2017

                                   

   Salzburger Nachrichten, über die UA @  Literaturfest Salzburg, 18. Mai 2017

Sprachkunst macht Musik. Neue Jazzklänge zu Gert Jonke beim 10. Literaturfest Salzburg. „Er konnte aus zwei, drei notierten Worten ein ganzes Universum entstehen lassen. Wie ein großer Jazzmusiker, der aus einem kleinen Thema eine raffiniert sich verzweigende Improvisation zu Stande bringen kann“, schrieb Elfriede Jelinek 2009 zu Gert Jonkes Tod. Beim ersten Literaturfest noch anwesend, wurde der Autor am Donnerstag bei dessen zehnter Ausgabe im Musikclub Jazzit geehrt: Für die Uraufführung „Geometrie der Seele“ – eine Reverenz an Gert Jonkes Erstpublikation „Geometrischer Heimatroman“ (1969) – scharte Vokalistin Susanna Ridler Kontrabassist Peter Herbert und Saxofonist Wolfgang Puschnig um sich. Ausgangspunkt ihrer Komposition waren teils unveröffentlichte Textfragmente, die Susanna Ridler im Wiener Arbeitszimmer von Gert Jonke ausgrub. Die Komponistin beschäftigt sich seit einem Schreibauftrag 2013 für den Carinthischen Sommer mit dem Werk des Autors. Diese emotionale wie geistige Aneignung seiner Sprach- und Bilderwelten ist bei der Performance spürbar. Hellwach kriecht sie im Laufe der beiden Sets förmlich in Jonkes Sprache, hüllt sich damit ein, um sie auf ihre ureigenste Weise wieder freizulegen. Lauscht und flüstert, atmet und raunzt die Freiräume zwischen den Worten, windet sich durch die Zeilen hinein in eine Deutung,  die sich nicht  aufdrängt, sondern vielmehr anbietet. Dieses Klangkonstrukt hat jedoch nichts Schweres oder gar Gekünsteltes, sondern unterhält natürlich auf hohem Niveau. Jonkes Humor wühlt Susanna Ridler immer wieder feinfühlig auf. Mit Wolfgang Puschnig und Peter Herbert hat sie zwei ebenbürtige Weggefährten. Alle drei Meister ihres Instruments, gehen sie damit abenteuerlustig auf eine Klangerforschungsreise. Was dabei ent- steht, ist eine Art experimentelle Kammermusik, die vorzüglich zum surrealistischen Ideenkosmos Jon- kes passt. „Geometrie der Seele“ ist der vierte nun uraufgeführte Teil von Susanna Ridlers Jonke-Pentalogie für unterschiedliche Ensembles. Die Aufführung entlässt das Publikum poetisch beschwingt.


Ö1 Kulturjournal, über UA @  Literaturfest Salzburg, 18. Mai 2017
Eine Uraufführung hatte das 10. Literaturfest Salzburg auch im Programm.
Die Vokalistin Susanna Ridler interpretierte Textpassagen des verstorbenen Autors Gert Jonke. Mantraartig.
Virtuos mit der Stimme und mit der Technik spielend, und mit Hilfe der Musiker Wolfgang Puschnig und Peter Herbert.


Kleine Zeitung, Uraufführung Carinthischer Sommer 2014
Mit einem Hochamt beginnt am kommenden Sonntag die Villacher Brauchtumswoche.
Auf der Schiene cs_alternativ wurde bereits am verwichenen Sonntag ein Hochamt zelebriert:
Man lud in den Bambergsaal zur Uraufführung von „Geometrie der Seele oder Ich seh den See nicht mehr“ nach Texten von Gert Jonke. Da konnten einem schon die Ohren aufgehen.
Und der 2009 verstorbene Meister der „Sanftwut“ könnte von Wolke sieben mit mildem Lächeln auf das Treiben hernieder geschaut haben. Er wäre mit dem Resultat des Weiterspinnens seiner Sprachmusik höchst zufrieden gewesen. Denn hier haben drei Künstler nicht weniger riskiert als alles. Und so muss es in der Kunst wohl sein. Denn wie anders sollte man den Beweis führen, dass man aus jedem Gefängnis – seien es die vier Wände des eigenen Zimmers oder der Pranger des streng kontrollierten öffentlichen Dorfplatzes – ausbrechen kann, um frei zu sein. Die Komponistin und Sängerin Susanna Ridler riskiert für den Befreiungsschlag Leib (famose Körpersprache) und Leben – sprich: Singstimme, Sprechgesang und Emotion pur! – und sie hat den beiden Partnern vorskizziert, wie es doch noch ein Glück geben könnte: dem ostinaten Kontrabass (Peter Herbert), der nicht freigeben will, und dem Bläser (Wolfgang Puschnig), der der bedrohlichen Enge in virtuosen Anläufen einen Horizont, einen Morgen, ein Glück – vielleicht? – abtrotzt. Verbindlichen Dank! Und jetzt wieder lesen: „Geometrischer Heimatroman“ von Gert Jonke, mit diesem neuen Kompass als Zusatzorientierung – ein Leichtes, ein Kinderspiel!  


Der Standard
 
 
 
 
E-Mail
Infos
Instagram