> reviews in english 

pressestimmen zu [koe:r]

> vogue 
> fm4 
> falter 
> kurier 
> die presse 
> apa 
> fm5 
> kulturwoche.at 
> wohin in wien  
> city  
> der standard 
> wiener zeitung 
> musicchannel.cc 
> slamzine 
> jazzzeit 

interviews
> mica interview 
> kulturwoche.at (audio) 
 
 Vogue Übersicht / Seitenanfang
Stilmix und Crossover-Experimente geraten meist quälend banal. Auf [koe:r] (Electoland / Geco / Indigo) versucht Susanna Ridler etwas ganz anderes: neue Musik aus bestehenden Stilen zu fusionieren, eigene Kompositionen mit Soli hochkarätiger Musiker zu verschmelzen. Jazzig, intellektuell, sinnlich.
zurück weiter  zurück/weiter Übersicht/Seitenanfang  Übersicht / Seitenanfang
 
 FM4 Übersicht / Seitenanfang
John Megill about [koe:r]: „slightly experimental, but extremly beautiful“
zurück weiter  zurück/weiter Übersicht/Seitenanfang  Übersicht / Seitenanfang
 
 Falter 16. Jänner 2008 Übersicht / Seitenanfang
JAZZ
[koe:r]:  [koe:r]
Electroland/Hoanzl

Ein weites Feld bestellt Susanne Ridler alias [koe:r] auf ihrem Debütalbum. Die Wienerin bemüht sich um eine stimmige Kombination aus Jazz, Pop, Elektronik und Latin. Sie singt, schraubt am Computer herum und dirigiert Gäste wie Wolfgang Puschnig und Thomas Gansch. Heraus kommt nicht das zigste "Anything goes"-NuJazz-Album, sondern eine überraschend angenehm fließende Drei- viertelstunde Musik zwischen Eigenkomposit- ionen und Covers ("Comes Love", "Summertime"). [koe:r] ist zwar mehr musikalische Tapete als Hinhörstoff, aber hochwertig gearbeitet. (Sebastian Fasthuber)
zurück weiter  zurück/weiter Übersicht/Seitenanfang  Übersicht / Seitenanfang
 
 Kurier Übersicht / Seitenanfang
SUSANNA RIDLER: [koe:r]
(Hoanzl) ••••
Eine liebevoll montierte CD, ein Puzzle aus Altbekanntem und Eigenem, "mit nie langweiligen Grooves, detailverliebten Variationen, ein- fallsreichen Effekten, sinnlichem Timbre und kreativen Neuinterpretationen", sagt treffend Bassist Peter Herbert.
-Ros
zurück weiter  zurück/weiter Übersicht/Seitenanfang  Übersicht / Seitenanfang
 
 Die Presse 25. Jänner 2008 Übersicht / Seitenanfang
VORSTELLUNG
TIEFGEKÜHLTER SOUL AUS DEM LAPTOP
MIT EINER VORLIEBE FÜR SONDERZEICHEN
Susanna Ridler.
Diese Frau verschanzt sich nicht nur gerne hinter Projektnamen wie "Tristan", sie setzt ihrem aktuellen nom de guerre „Koe:r“ auch noch in auf jeder Tastatur schwer zu ortende eckige Klammern. Solch Sonderzeichengestrüpp soll wohl schützenden Charakter haben. Ihre größtenteils elektronisch generierte Zeitlupen- ästhetik birgt jene tiefgekühlte Soulfulness, mit der auch Sidsel Endresen und David Sylvian bezirzen. Sublimen Eigenkompositionen stehen Adaptionen viel gehörter Klassiker wie „Comes Love“ und „Corcovado“ beiseite, deren schockgefrorenes Klangbild dezent andeutet, dass wir in einer nicht eben herzerwärmenden Epoche leben. Bekannte Jazzgrößen wie Wolfgang Puschnig und Thomas Gansch steuerten Soli bei. Zudem glückte es der Künstlerin, das sonst sehr geheime Gitarrenspiel des Jazzkritikers Ljubisa Tosic für Jobims „Corcovado“ zu sampeln. Ob der auch zur Albumsvorstellung live zugegen sein wird, stand zu Redaktionsschluss noch nicht fest. Susanne Ridler erzählt auf ihrem stimmungsvollem Albumdebüt jene Art Wintermärchen, dem sich mit Talent zur Melancholie ausgestattete Wesen gerne zuwenden werden. (Samir H. Köck)
zurück weiter  zurück/weiter Übersicht/Seitenanfang  Übersicht / Seitenanfang
 
 APA Übersicht / Seitenanfang
Susanna Ridler holt die Trip Hop-Idee
ins Heute
Heimische Jazzgrößen wie Peter Herbert, Wolfgang Puschnig und Thomas Gansch auf ihrer Debüt-CD zu versammeln, damit gab sich die Wiener Musikerin Susanna Ridler nicht zufrieden: Auf "[koe:r]" (ab 1. Februar bei electroland tonwaren/Vertrieb: Hoanzl) jagte Ridler deren Soli durch den Computer, dehnte, stauchte und zerschnipselte diese und schuf daraus eine ebenso artifizielle wie lebendige Mischung aus Jazz, elektronischer Musik und Pop.

Das Ergebnis spricht durch durchaus wienerische Downbeat-Grundstimmung und durchaus internationale Offenheit im Klang an. Ein Trip Hop-Neuansatz mit einer ordentlichen Zusatzdosis Jazz, für musikalische Entspannungs- ebenso wie Entdeckungsreisen äußerst empfehlenswert, zugleich intelligent und emotional. Dabei wird auch eigentlich abgeschmackten Klassikern wie "Summertime" und "Fever" ein neues, heutiges und reflektiertes Gewand gegeben, das diese wieder hörenswert macht.
zurück weiter  zurück/weiter Übersicht/Seitenanfang  Übersicht / Seitenanfang
 
 FM5 Übersicht / Seitenanfang
Das leise Plätschern des Wasserfalls
Susanna Ridler veröffentlicht ihr erstes Album unter ihrem Namen: Koe:r ist ein angenehmes Werk, das zum Wohlfühlen anregt. Ein bisschen Jazz inklusive.

Beim Erwähnen des Namens Jazz schwingt ein leichtes Angstgefühl mit. Schließlich handelt es sich bei diesem, schon lange den musikalischen Wiederholungsprozess bedienenden Genre um jene verstockte Sorte, die überhaupt in unseren Breitengraden extrem anstrengend erscheint. Es ist nämlich ein bisschen so wie damals in der Schule: Einer redet, alle hören (stillschweigend) zu. Umgemünzt auf klangtechnische Verhältnisse bedeutet das endlose, immer im Mantel des Akademischen steckende Gitarren-Soli; grantelnde Mitsechziger mit Vollbartmontur und adretter Professor-Krawatte, die sich per Schlagstock einen von der Palme wedeln; und so weiter und so fort. No excess, no posing! Innovativ klingt anders.

Auch bei Susanna Ridlers neuem Album Koe:r kommt man um dieses Wort, das sofort Alarmsignale auszulösen vermag, nicht herum. Doch in diesem Fall schwingt ein ungewöhnliche angenehmer Nebeneffekt mit: Jazz wird Trip Hop (!), Pop (!!), ja sogar die große Welt der Elektronik (!!!) beigemengt. Wahrscheinlich liegt es aber auch an jenem Umstand, dass die Protagonisten von Koe:r, allesamt das Who is Who der österreichischen Jazz-Szene, der eher im interessanten Bereich angesiedelten Szene angehören: So agieren Peter Herbert (Stehbass), Wolfgang Puschnig (Saxophon), Thomas Gansch (Trompete), Helmut Jasbar (Gitarre) und Rainer Deixler (Schlagzeug) neben der wunderbaren, herrlich lasziv anmutenden Stimme von Susanna Ridler.

"Being Under Water"

Ridler, die Schauspiel, Gesang und Musik studiert und einige Jahre am Theater gearbeitet hat, geht in den letzten Jahren der Beschäftigung mit dem Computer nach und versucht bewusst, ihrer verführerischen Stimme ein subtil elektronisches Stimmungsbild unterzuordnen. Bereits im Jahr 2003 veröffentlchte sie unter dem Pseudonym tristan einen Remix über George Gershwin `s bekanntem Stück Summertime. In Anbetracht der Tatsache, dass genau diese Symbiose aus verspielten elektronischen Klangteppichen und Ridlers wundervollen Vocals überzeugen kann, veröffentlicht sie dieser Tage ihr Debütalbum unter ihrem Namen Koe:r – und liegt damit natürlich goldrichtig. Denn hier trifft ein schönes Stück auf das andere. Es sind Töne, die dauernd ein wenig an einen vor sich hinplätschernden Wasserfall erinnern. Was eine Metapher ist, die wahrscheinlich gar nicht so weit hergeholt ist. So lautet der Opener zum Beispiel Dirty Water und der Sound kling danach. Außerdem trägt ihr am Albumcover notiertes, getätigtes Statement den musikalischen Inhalt wohl ein wenig vor: „As I was producing these eleven songs I spent most of time wearing my headphones – an experience similar to being under water.“ Nachsatz: „I hope you are not hydrophobic as I wish u a good dive.“ Nein, keine Angst, wir tauchen gerne ab und schwimmen weiter im Ozean der wohltuenden Klänge.
zurück weiter  zurück/weiter Übersicht/Seitenanfang  Übersicht / Seitenanfang
 
 kulturwoche.at Übersicht / Seitenanfang
Ein erstaunliches Debüt-Album legt Susanna Ridler mit [koe:r] – das französische Wort für Herz - vor. Im Spannungsfeld Jazz, Elektronik und Pop und angereichert mit melancholisch-downbeatigen Klangcharakteristiken – angelehnt an den Trip Hop der späten 1990er Jahre – schuf Ridler reduzierte Klangfassaden mit meisterlichen Garnierungen von den Koryphäen Peter Herbert am Kontrabass, Wolfgang Puschnig am Saxofon und Flöte, Thomas Gansch an Trompete, Rainer Deixler am Schlagwerk und Helmut Jasbar an Gitarre. Dem nicht genug zerschnipselt die Sängerin und Komponistin die jeweiligen Soli und formt daraus in aller Unbekümmertheit experimentelle Sounds und mit viel Gespür neue Sichtweisen. Herausragend unter all dem hervorragenden Material die Auftritte (und was daraus wurde) von Gansch in Gershwins "Summertime" und Puschnig in Ridlers "Dirty Water", sowie Ridlers entzückender Gesang in "5 Parrots in an Appletree". Generell auffallend die Grundstimmung ihrer Soundästhetik, dieses düstere, melancholische, unwirkliche und doch nie unterkühlte. Elektronik mit Seele. Den sieben Eigenkompositionen stehen übrigens vier Coverversionen (Summertime, Fever, Corcovado, Comes Love) gegenüber, wobei diese altbekannten Lieder bei Ridler quasi eine Neugeburt erfahren und eigentlich bereits wie Neukompositionen daherkommen. Gewagt. Gewonnen. Herzerfrischend und einfach gut.
zurück weiter  zurück/weiter Übersicht/Seitenanfang  Übersicht / Seitenanfang
 
 wohin in wien Übersicht / Seitenanfang
Hochspannende Musik aus Wien. Dieses Album klingt als ob Portishead wirklich interessante neue Musik machen wollten. Die Stimme ist hier ein vollwertiges Instrument. Dazu trifft kühle Elektronik auf hochkarätige Jazzmusiker (u. a.Wolfgang Puschnig).Von Jazz beeinflusste Popmusik des 21. Jahrhunderts, oder umgekehrt – egal. Ein Aha-Erlebnis das man hörend haben sollte.Tipp!
zurück weiter  zurück/weiter Übersicht/Seitenanfang  Übersicht / Seitenanfang
 
 city Übersicht / Seitenanfang
Sound. Laptop trifft auf Blasinstrument. Heraus kommt Fusion Music im Allgemeinen und Susanna Ridlers Soundkonstrukt im Speziellen. Nein, hier experimentiert nicht jemand ohne Plan und Konzept. Und trotzdem steht hinter allem kein einengender Masterplan. Der am Computer designte Klangteppich wird unter Mithilfe lokaler Jazzgrößen zu einem "Fleckerlteppich" aus Jazz, Pop, Trance und TripHop versponnen.
Träumerisch schön.

Background. Die junge heimische Künstlerin mit Lebens- und Arbeitsmittelpunkt Wien war jahrelang am Theater tätig, bevor sie in Los Angeles, Maastricht und Amsterdam diverse Musikstudien absolvierte.

Event. Im Porgy & Bess präsentiert Ridler ihr pressfrisches Debüt-Album "[koe:r]", das sie unter Beihilfe von Peter Herbert, Wolfgang Puschnig, Thomas Gansch, Helmut Jasbar und Rainer Deixler einspielte. Bis auf den verhinderten Gansch
werden alle [koe:r]-Mitspieler live an stage zu hören sein.

Risk & Fun. Hörens- und sehenswerte CD-Präsentation, für deren musikalischen Inhalt das Porgy & Bess die perfekte Kulisse bildet.

Klingt wie. Lebendig dargebotene Lounge-Musik.
*****
zurück weiter  zurück/weiter Übersicht/Seitenanfang  Übersicht / Seitenanfang
 
 der standard Übersicht / Seitenanfang
Entspannte Töne von Susanna Ridler alias [koe:r]
Vor fünf Jahren hinterließ sie unter dem Namen Tristan ihren bis dato einzigen klingenden Fußabdruck auf Tonträger - dem Sampler Summertime - This Is Now. Dann verschwand die Wiener Vokalistin und Elektronikerin Susanna Ridler gleichsam in Szene-Klausur. Um schließlich mit einer bemerkenswerten, entspannt tönenden Arbeit wieder aufzutauchen.

Auf [koe:r] (Electroland/Hoanzl) fungiert Ridlers Stimme als vielgesichtige, kohärenzstiftende Leitlinie durch die Dub-lastigen, detailfreudig auskomponierten Electronica-Soundscapes: Zuweilen als bloße Klangfarbe in die kontrast- reichen Strukturen integriert, dann wiederum in Song-tragender Roile hervortretend, werden etwa Jobims Corcovado oder Gershwins Summertime auf sinnliche Weise dekonstruiert. Zudem bereichern amtliche Improvisationsbeiträge jenseits üblicher homöopathischer "Nujazz"-Dosierung die klingende Substanz. Wolfgang Puschnig (sax), Peter Herbert (b), Helmut Jasbar (git) und Rainer Deixler (dr) werden heute bei der Live-Premiere von [koe:r] Töne beisteuern. (felb)
zurück weiter  zurück/weiter Übersicht/Seitenanfang  Übersicht / Seitenanfang
 
 wiener zeitung Übersicht / Seitenanfang
(irr) Mit Jazzstandards ist das so eine Sache. Eine abgehörte nämlich. Denn was für Klassik-Fans die 1001. "Bilder einer Ausstellung"-Bearbeitung, ist dem Jazzer die nie endende "Summertime". Abhilfe schafft nun Susanna Ridler. Auf "[koe:r]" hat sie ein Grüppchen Evergreens in ElektroGefilde verschleppt und gleichsam entkernt. Soll heißen: Text oft noch da, mancher Akkord auch. Und darüber ein zarter, doch einsturzsicherer Neubau. Mit Überlagerungen der Ridler'schen Stimme, nachbearbeiteten Klangspenden von Jazz-Größen wie Wolf gang Puschnig und Thomas Gansch sowie sublimen ElektroTüfteleien - eine Melange, die auch die diversen Originale dieses Debüt-Albums prägt.Als Einsatzmöglichkeiten sowohl für chill-willige Clubmenschen als auch konzentrierte Argus-Ohren geeignet.
zurück weiter  zurück/weiter Übersicht/Seitenanfang  Übersicht / Seitenanfang
 
 musicchannel.cc Übersicht / Seitenanfang
Elektrisierender Jazz

Susanne Ridler alias [koe:r] ist ein musikalisch relativ unbeschriebenes Blatt. Doch was sie unter dem Namen [koe:r] auf dem Album mit gleichnamigem Titel veröffentlicht, zeichnet ein mehr als deutliches Bild. Ein Zugang zu Musik, so verschroben und genial zu gleich, wie man ihn aus diesem Lande wohl kaum erwarten würde.

[koe:r] ist dabei viel mehr, als ein einfaches Computerprojekt. Dass es ohne diesen zwar ebenso wenig in Frage käme, derartige Songs zu produzieren, zeigt jedes einzelne Werk für sich, und dennoch lässt die Platte spüren, dass mehr dahinter steckt.

Susanne Ridler hat sich keine Grenzen gesetzt, keine Rahmenbedingungen geschaffen, ohne Grundsätze gearbeitet. Zu durchdacht sind die Songs, um einfache, einmalig im Studio aufgezeichnete Stücke sein zu können. Aus den unterschiedlichsten Stilrichtungen wie Jazz, Pop, Funk, Lounge, Electronic, Ambient sowie einigen anderen hier nicht explizit genannten, setzt sich ein Sound zusammen, der zu beschreiben genauso unmöglich ist, wie einem Menschen das Fliegen beizubringen.

Unterstützung bekam die junge Österreicherin von prominenten Künstlern wie Wolfgang Puschnig, Peter Herbert, Helmut Jasbar und einigen weiteren. Dass diese den Sound der Platte maßgeblich prägen, ist genauso logisch wie deutlich zu hören. Doch die Platte [koe:r] wirkt nicht wegen ihrer medial wirksamen Liste an Mit-Schaffenden. Vielmehr ist es der Prozess, die Verarbeitung der aufgenommenen „Soundschnipsel“ am Computer, die den Nummern ihren Charme verleiht. Dabei klingen die Versionen von Klassikern wie „Fever“ oder „Summertime“, die sich gekonnt und unauffällig unter die Eigenkompositionen mischen, doch eher wie neue Werke – starke Entfremdung, die gleichzeitig für neues Blut und stärkere Emotionen sorgt.

Faszination, ausgelöst durch [koe:r], lässt sich wahrlich nicht an einem einzelnen Grund dingfest machen. Doch möglicherweise ist es die Symbiose zwischen Jazz-lastigen Klängen und Soli mit den elektrisierenden, am Downbeat orientierten Soundgewändern, die so perfekt funktioniert. [koe:r] plätschert wie ein Wasserfall vor sich hin. Und dieser Wasserfall plätschert unglaublich genussvoll – und schön.


Christoph Büchel
zurück weiter  zurück/weiter Übersicht/Seitenanfang  Übersicht / Seitenanfang
 
 slamzine Übersicht / Seitenanfang
Gitarrenrockpuristen mit musikalischen Berührungs- ängsten und Allergien gegen jede musikalische Ausdrucksform abseits des Stromruders dürfen folgendes Review gerne auslassen. Elektronischen Feinschmeckern mit offnenen Ohren für Jazz und Klanggebilden aller Art sind aber hiermit recht herzlich eingeladen weiter zu lesen.

Elektroink, Jazz und Popfragmente fusioniert zu einem atmosphärischen Downbeatcocktail, der druch SUSANNA RIDLERs Stimme mamchmal untermalt und begleitet, oftmals aber auch aus der kalten digitalen Welt gehoben und schlichtweg zum Leben erweckt wird.

Dazu höre und staune man über die famose GERSHWIN Adaption „Summertime“. Die Meisten der Stücke auf „[koe:r]“ sind Eigenkompositionen RIDLERs, doch neben „Summertime“ finden sich mit „Fever“, „Corcovado“ und „ Comes Love“ noch drei weitere Klassiker denen ein völlig eigenständiger, neuer musikalischer Anzug verpasst wurde.

Dieser steht den „alten Herren“ zumeist ganz hervorragend. Musikalische Unterstüzung erhält die Sängerin durch ein who is who österreichischer Jazzmusiker, dafür bürgen Namen wie WOLFGANG PUSCHNIG (Saxophon und Föte). THOMAS GANSCH (Trompete, Flügelhorn) oder PETER HERBERT (Kontrabass).

Somit dürfte „[koe:r]“ für manchen Musik- konsumenten eine interessante und durchaus willkommene musikalische Horizonterweiterung darstellen. Sei es nach einer durchzechten Nacht für einen entspannten Sunday Morning oder als Unterlegung für einsame nächtliche Autobahn- fahrten. Denn Atmosphäre und Entspanntheit sind bei SUSANNA RIDELER garantiert.
Claus Michäler(6,55)
zurück weiter  zurück/weiter Übersicht/Seitenanfang  Übersicht / Seitenanfang
 
 jazzzeit Übersicht / Seitenanfang
Susanna Ridlers Projekt [koe:r] bietet Stimmungsmusik im besten Sinne: Ein Unterwasser-Trip aus verträumt- melancholischer Electronica, der eine Epoche beschwört, in der luftiger Jazz-Pop noch als unschuldig galt.

DIE SUCHE NACH einer individuellen Sprachform war es, die Susanna Ridler einen langen und nicht unbedingt geradlinigen Weg gehen ließ. Nach dem Gesangsstudiurn hatte sie sich über Jahre hinweg imrner und immer wieder gefragt, wie sich ein Ausdrucksmittel finden ließe, das stimmig und zeitgemäß ist. »Ich wollte einfach keine Covers und Standards mehr singen.« In den USA hatte sie ein A Cappella-trio gegründet, doch Mitte der 90er verschoben sich plötzlich die Prioritäten: Eleklronik, Trip Hop und die ihnen eigene Art, Material zu bearbeiten, erregten ihre Aufmerksamkeit mehr als es der Gesang je vermocht hatte. Die Entdeckung der elektronischen Musik sei für sie wie ein Befreiungsschlag aus der Referenzhölle gewesen, erzählt sie. »Bevor ich den Computer entdeckte, war ich wie blockiert. Ich wusste nicht, wie ich durch den Dschungel an vorbestehendem Material hindurch komme. Jetzt ist es mir egal.«

Doch durch ein Missgeschick verlor sie ihre Papiere, musste die USA verlassen und stand plötzlich wieder in Österreich. Ohne Geld, aber mit einem Plan. »Ich kaufte mir einen Laptop und begann, >herurnzuschrauben<.« Und schon die erste Bewährungsprobe, ein Remix von »Sommertime« in der Fitzgerald/LouisArmstrong-Version initiierte, wenn man so will, das nun vorliegende Album, denn das Ergebnis kam an und wurde so zur Basis für weitere Experimente. Auf >Summertime·< folgten mit >Corcovado< und >Fever< zwei weitere Cover-Versionen, bei denen man aufgrund der Größe der Namen und der Vielzahl an Versionen eigentlich nur verlieren kann. Genau das war es aber, was sie besonders reizte und letztlich dazu bewegte, es doch zu versuchen. »Durch die Möglichkeiten, die der Computer bietet, konnte ich das Material plötzlich brechen und ans Inhaltliche gehen.« Die Ergebnisse sind jedoch weniger Dekonstruktion denn Metamorphose und der gelungene Versuch, Tradition mit Moderne zu verbinden. Beeindruckckend, wie sie es schafft, den zeitlosen Nummern so viel Persönlichkeit abzuringen, dass sie sich letztlich natlos in das eigene Schaffen einfügen.

Ridlers Sinn für perfektes Arrangement mag zwar streckenweise an Trip Hop erinnern, ganz stimmig ist der Vergleich dennoch nicht: Während es im Trip Hop in der Regel Jazz-Samples waren, die den verzerrten Gitarren und Blubber-Bässen Stimmung verliehen, sind es bei ihr von Jazzgrößen wie Wolfgang Puschnig live eingespielte Instrumente, die ihre sphärischen Sounds kontrastieren.

Besonders der markante Bass von Peter Herbert spielte in der Entstehungsgeschichte des Albums eine tragende Rolle. Seine Läufe waren so etwas wie der Missing Link. »Dadurch kam ich auf den Geschmack, noch mehr Solo-Instrumente einzuweben. Ohne ihn Wären die Songs nie so geworden, wie sie sind.«

Mit herkömmlichem Jazz-Pop aus der Konfektionsabteilung hat [koe:r] nichts zu tun. Susanna Ridler macht Musik aus einer küstlerischen Notwendigkeit heraus. Mit ihrem Album beschwört sie eine Zeit herauf, als es bei zwingenden Melodien noch um alles nur nicht Hitparaden ging. Am Strand von Ipanema, in Tijuana oder in Vienna City. Und auch wenn die letzten vier Jahre, in denen sie am Album arbeitete, wie im Flug vergingen, verschenkt wurden sie nicht. Streckenweise vermeint man den Befreiungsschlag förmlich zu hören, mit dem sie sich in ihrer Arbeit vom Korsett der Ausbildung und Referenzen löste. »Zu Hause bin ich dort, wo die Grenzen ineinander fließen, wo es offen ist. Dort wo es möglich ist, dieser Mischung aus vielen Dingen einen Rahmen zu geben«, sagt sie.

Aus raumakustischen Gründen hat Susanna Ridler das gesamte Album mit Kopfhörern abgemischt - eine Erfahrung, die einem Tauchgang gleiche, schreibt sie im Inlay der CD. Und tatsächlich erschließt sich dem Zuhörer - einem Tauchgang nicht unähnlich - beim Hören des Albums eine gänzlich andere Zeitordnung: Alles ist ein bisschen langsamer, suggestiv und dennoch von beeindruckender Klarheit, nach 45 Minuten ist alles vorbei und man taucht auf: erschöpft, zugleich entspannt und um eine intensive Erfahrung reicher. · MARKUS DEISENBERGER
zurück weiter  zurück/weiter Übersicht/Seitenanfang  Übersicht / Seitenanfang
 
 mica.at Übersicht / Seitenanfang

mica-Interview mit Susanna Ridler

Susanna Ridlers Projekt „KO:ER“ bietet Stimmungsmusik im besten Sinne: Ein Unterwasser-Trip aus verträumt-melancholischer Jazz-Electronica. Im mica-Interview mit Markus Deisenberger spricht die vielseitige Musikerin über Klangperfektionismus, die Schrecken der Referenzhölle und Mitläufer ohne Priorität.

„Wie ein Befreiungsschlag!“

Das Projekt [koe:r] nahm mit einem Remix von „Summertime“ für Universal seinen Anfang. Wie kam das und was war die Idee dahinter?

Ich wurde von Wolfgang Lamprecht, der diese CDs kompilierte – ursprünglich war eine Doppel-CD geplant, doch letztlich wurden es dann zwei einzelne, eine Summertime/This was Then mit den remixten Originalversionen und eine zweite mit den Bearbeitungen – eingeladen, einen Remix anzufertigen. Ausgewählt habe ich dann die Ella Fitzgerald/Louis Armstrong-Version. Zum Basteln hatte ich etwa einen Monat Zeit. Die Version gefiel und kam drauf.

Wie kamst Du überhaupt dazu, elektronische Musik zu machen?

Ich habe Gesang studiert und mich viele Jahre hindurch gefragt, wie ich ein Ausdrucksmittel finde, das für mich stimmig und zeitgemäß ist. Ich wollte einfach keine Covers und Standards mehr singen. In den USA hatte ich ein „A Cappella Trio“ gegründet. Mitte der 90er bin ich dann in den Trip Hop, die Elektronik und die ihr eigene Art, Material zu bearbeiten, reingekippt. Dann verlor ich meine Papiere und musste das Land verlassen. Auf einmal stand ich wieder in Österreich. Wieder mit nix. Zuerst habe ich das Trio wieder aufgebaut, doch dann habe ich bald gemerkt, dass ich etwas Neues machen will. Mit der Hilfe meines Bankberaters kaufte ich mir einen Laptop – damals war so ein Gerät noch viel teurer als heute – und begann, herumzuschrauben und Theater- und Hörspielmusik zu machen.

Das heißt, es ging sofort ins Verdienen?

Und dann kam auch schon die Einladung, Summertime zu remixen, was eine große Herausforderung war. Ich musste aus dem fertigen Stereomix – ich bekam ja nicht die einzelnen Original -Spuren, die Instrumente und Stimmen rausfiltern, die ich in meinen Remix einbauen wollte. Es hieß also filtern, filtern, filtern... und dabei habe ich sehr viel gelernt.

„Corcovado“, „Summertime“ und „Fever“ sind gleich drei Cover-Versionen, bei denen man aufgrund der Größe der Namen und der Vielzahl an Versionen eigentlich nur verlieren kann. Was hat Dich dazu bewegt, es trotzdem zu machen?

Genau das. Ich hätte vor zehn Jahren nie gedacht, eine Cover-Version zu machen. Es interessierte mich einfach nicht. Aber durch die Arbeit am Computer taten sich einfach völlig neue Möglichkeiten auf. Da habe ich mich von diesem Korsett befreien können. Plötzlich konnte ich das Material brechen und ans Inhaltliche gehen. Ich wollte die Melodie nicht genauso singen wie sie ist. Insofern war der Remix wie ein Befreiungsstoß. Und da lag es nahe, genau die Nummern heranzuziehen, die man eigentlich nicht mehr hören kann wie eben Fever oder Corcovado.

Geht es dabei auch um Dekonstruktion? In den 80er Jahren gab es vielfach Ansätze, alte Klassiker, gerade auch aus der Bossa Nova-Hochblüte, mit Hall und Verfremdungseffekten bis zur Unkenntlichkeit zu entstellen. Oder ging es eher darum, die Songs und deren Stimmung zu konservieren, sozusagen in die Jetztzeit zu transferieren?

Dekonstruktion nicht wirklich. Eher eine Metamorphose, der Versuch, Tradition mit Moderne zu verbinden. Das Original ist erst nicht und dann doch zu erkennen. Darum ging es mir.

Gibt es bei diesem Spiel mit dem Wiedererkennungswert ein Patentrezept?

Nein, es ist ein kreativer Prozess, bei dem vielleicht etwas entsteht oder auch nicht... „Fever“ zum Beispiel wollte ich ursprünglich ganz langsam bei 60 bpm anlegen und landete dann später im Mittelteil doch bei der Double Time, weil es sich natürlich anfühlte. Auch bei der Fever-Figur an sich, suchte ich nach einem anderen Ansatz; nicht dieser laszive „Man-Eater“, sondern eine Frau, die nicht weiß, ob sie überhaupt Fever empfindet und sich darüber hinaus nicht im Klaren ist, ob das überhaupt ein positives Gefühl ist. Egal, ob das am Ende so rüber kommt, aber ich hatte mir einen inhaltlicher Zugang zurecht gelegt, mit dem ich experimentieren konnte; und der ist für meinen Arbeitsprozess sehr wichtig.

Wusstest Du von Anfang an, diese drei Covers werden es oder hast Du auch mit anderen herumexperimentiert? Oder anders gefragt: Was war zuerst? Die konkrete Songidee für die Cover-Version oder die Idee, es müsse Summertime oder Corcovado sein?

Bei Summertime war es naheliegend. Da gab es diesen bereits fertigen Song, bei dem ich mir immer wieder dachte, dass ich ihn jetzt ganz anders machen würde als damals. Und irgendwann kam der Gedanke: Vielleicht nehme ich das als Basis für weitere Experimente.

Hat man da nicht irgendwann einmal genug von Summertime?

Klar, aber ich wollte ja ein Album machen und verfüge über großes Durchhaltevermögen. Zwischendurch gab es schon Phasen, in denen ich es einfach nicht mehr hören konnte, aber ich wollte die Idee von damals weiter führen und schauen, ob mir etwas einfällt. Es fiel mir etwas ein, aber es dauerte unglaublich lange, bis es so war wie es jetzt ist. Corcovado fußt auf eine Anfrage für ein Projekt, aus dem dann nichts wurde.

Bis jetzt haben wir ungerechterweise eigentlich nur über die Cover-Versionen geredet. Dabei finde ich Deine selbst komponierten Stücke eigentlich noch stärker. Da drängt sich die Frage auf: Waren die Covers zuerst und kamen dann die eigenen Stücke oder umgekehrt?

Anfang letzten Jahres habe ich nach einem Kontrabassisten gesucht und ihn in Peter Herbert gefunden. Als ich seine ersten Basslines eingearbeitet hatte, wusste ich, das ist mein Missing Link. Bis dahin hatte ich ja nur artifizielle Klanglandschaften. Ohne Peter wären die Songs nicht so geworden, wie sie sind. Und ...ich kam dadurch auf den Geschmack noch mehr Solo-Instrumente einzuweben.

In den Arrangements ist ein gewisser Hang zum Klangperfektionismus zu erkennen.

Perfektionismus als solchen gibt es ja nicht.

Aber du bist jemand, der etwas nur schwer aus der Hand gibt, oder?

Ja. Und jemand, der es selber und gleich macht.

Aber dem es auch schwer tut zu sagen: So, jetzt ist es fertig.

Schon ja. Ich will einfach versuchen, das Beste aus dem Material herauszuholen und an einen Punkt zu bringen, an dem ich mit gutem Gewissen sagen kann: Jetzt ist es fertig. Auch wenn es ja eigentlich nie fertig ist. Wenn ich mein Album jetzt höre, dann fallen mir ja auch schon wieder so viele Sachen auf, die ich jetzt anders machen würde. Aber bis ich diesen Punkt erreicht habe, arbeite ich auch daran. Das war in den letzten Jahren sehr viel zeit. Meine Freunde haben sich oft beschwert, dass ich ständig in meinem Kämmerchen saß, um zu arbeiten.

Beim Soundbasteln vergeht die Zeit wie im Flug?

Ein paar Stunden sind nichts. Die letzten vier Jahre sind verflogen.

Hat man, wenn man so viel Zeit investiert hat, dann auch ganz besonders große Pläne? Wir leben ja nicht gerade im Land der tausend Möglichkeiten, was diese Art von Musik anbelangt.

Um ehrlich zu sein: Dass die CD jetzt da so vor mir liegt, dass sie am 1. Februar im Handel erhältlich ist, das ist schon sehr viel. Dass so tolle Musiker dabei sind und dass es so klingt, wie es klingt, damit bin ich schon so glücklich... Für mich war auch diese lange Suche, einen Weg zu finden, mich auszudrücken, diese Investition von viel Zeit, einfach richtig. Ich habe mich selber befreit in der Arbeit. Ich freue mich, wenn es ein paar Menschen gibt, denen die Musik gefällt. Ich bin in Österreich und daher realistisch. Ursprünglich war der Release Deines Albums auf Universal geplant. Letztlich sind die Vertragsverhandlungen aber gescheitert. Das Album erschien letztlich auf eigenem Label und mit Indie-Vertrieb. Was gab den Ausschlag für die Entscheidung? Der 1. Februar als Termin für Release und Albumpräsentation gab den Ausschlag. Den hatte ich im Visier, weil da alle Musiker Zeit hatten und ich das symbolisch auch enorm wichtig für das Projekt fand. Das wollte ich einfach unbedingt realisieren. Ich hab mir dann ausgerechnet, wann die CD ins Presswerk muss, damit sich das mit der PR und der Planung noch einigermaßen ausgeht und das war Ende Oktober. Mit Universal hatte ich lange Gespräche und habe dabei gemerkt, wie behäbig und wie schwer diese Maschinerie funktioniert. Als kleines Projekt mit nicht wirklich hohen zu erwartenden Verkaufszahlen bist du dort Mitläufer ohne Priorität. Es war nicht möglich, einen Termin zu fixieren. Und dann kam dieser Freitag nachmittag, den ich mir intern als Deadline gesetzt hatte. Bis dahin hatte ich nach langem und zähen Ringen mit Universal sogar eine Vertragsversion ausgehandelt, die ich unterschrieben hätte. Aber dann kam keine Zusage und da ich schon im Sommer mein eigens Label gegründet hatte, hab ich’s dann einfach selbst gemacht. Ich wollte einfach nicht mehr länger warten. Hoanzl macht den Vertrieb. Ein anderer Punkt aber sind die Vertragsbedingungen. Meine Ansprechpartner bei Universal waren zwar sehr nett und „supportive“, aber letztlich machst du nicht Verträge mit einem Menschen, der die sympathisch ist, sondern mit einer großen Maschinerie. Du gibst den Großteil deiner Rechte ab, zahlst die Produktion selbst, hast nur Pflichten und weißt nicht, was für dein Projekt konkret getan werden wird. Es ist keine einfache Entscheidung...

Hast Du vor, mit Deinem Label auch andere Sachen zu releasen?

Wenn ich Geld hätte ja. Aber PR und Produktion verschlingen eben eine Menge Geld und ich wüsste nicht wie ich das finanzieren sollte..

Im Pressetext zu Deinem Album wird eine Epoche beschworen, „als Songs noch unschuldig waren und Interpreten unbelastet.“ Sehnst Du Dich dahin zurück? Oder ist das als versteckte Kulturkritik zu verstehen? Welche Botschaft steckt dahinter?

Die Botschaft ist: Bevor ich den Computer entdeckte, war ich Jahre lang blockiert.
Ich wusste nicht, wie ich durch den Dschungel an vorbestehendem Material hindurch komme. Jetzt ist es mir egal.

Klingt nach Referenzhölle.

Ist es ja auch. Es ist alles schon da, es gibt alles. Für mich ist in diesen letzten Jahren klar geworden, dass man versuchen muss, mit dem, was man selber an Möglichkeiten hat, eine individuelle Sprache zu finden. Nur so kannst du etwas „Neues“ machen – mit dem, was man als Mensch ist und an Fähigkeiten, Talenten hat. Das ist die Essenz der Arbeit der letzten Jahre.

Weiter ist vom „Gefühl vom Ende der Musikgeschichte“ die Rede. Klingt deprimierend. So als ließe uns die Referenzhölle keine Luft mehr zum Atmen. Dagegen wirkt Dein Album erstaunlich unbeschwert. Andererseits verströmt es diese Melancholie... und je öfter ich es höre, desto unsicherer bin ich, ob es wirklich unbeschwert ist. Merkt man Deinem musikalischen Versuch, sich frei zu schwimmen, an, wie schwer es ist, sich frei zu schwimmen?

Schwer zu sagen. Melancholisch ist meine Musik sicher, weil auch ich ein melancholischer Mensch bin. Ob sie sommerlich ist, weiß ich gar nicht. Unbeschwert... das kann ich schwer beurteilen...

Würdest Du Deine Musik als Stimmungsmusik bezeichnen?

Zum Teil, aber nicht nur. Sie ist sicher stimmungsvoll, aber keine musikalische Tapete.

Ich finde den Ausdruck Stimmungsmusik auch nicht so negativ besetzt.

Ich assoziiere damit sofort Hintergrundtapete.

Ich meinte damit eher ein perfekt inszeniertes und arrangiertes, durchgehend sehr homogenes Ganzes, das als Album eine gewisse Stimmung widerspiegelt und das Gleiche auch vom Hörer voraussetzt. Dass man sich nämlich in Ruhe zurücklehnt und sich drauf einlässt. Die Vermittlung einer stringenten Stimmung ist doch sehr selten geworden.

Ich wollte, dass das Ganze eine Stimmung hat: von außen bis nach innen. Das heißt, dass Musik und Verpackung eine Stimmung widerspiegeln.

Bleiben wir bei der Produktion. Die meiste Zeit hast Du mit Kopfhörern am Produktions-Feinschliff gearbeitet. Eine Erfahrung, die – so ist es im CD-Inlay zu lesen – mit dem Gefühl vergleichbar ist, unter Wasser zu sein. Eine Art Konzept oder einfach Ergebnis der Produktionsbedingungen?

Auch das war ein künstlerischer Prozess. Es gab zu Beginn eine Idee mit Wasserfotos, die sich im Laufe der Arbeit etwas gewandelt hatte. Und meine Studioboxen hatten ein Frequenzloch. Ich war gezwungen, mit meinen vertrauten Kopfhörern zu arbeiten (mittlerweile höre ich sicher schon um einige Dezibel weniger), aber das Gefühl unter Wasser war dem Gefühl unter Kopfhörer ähnlich und so ergab dann das eine das andere.

Der Sound war bei einem Demo, das ich hören durfte, noch bei weitem nicht so perfekt wie nun auf der Album-Version. Was gab da den Ausschlag, dass das Album jetzt so klingt, wie es klingt, nämlich voll, basslastig und trotzdem prägnant, mit einem Wort: unglaublich warm. In das letzte Mastering muss viel Zeit geflossen sein...

Da hat sich noch viel getan. Zuerst habe ich selbst noch viel daran geschraubt. Viel verdanke ich allerdings dem Conny Dix, mit dem ich die Letztversion gemeinsam abgemischt habe. Und dann ging es noch zu Andy van Dette, einem wahren Meister des Materings. Der hat für diesen ganz speziellen weichen Sound gesorgt.

Was wohl Dein ganzes Erspartes verschlungen hat?

So ist es. Obwohl das New Yorker Mastering-Studio auch nicht mehr gekostet hat, als wenn ich es in Wien machen hätte lassen.

Aber das Ding hat einen anderen Namen.

Erstens das und zweitens hat er schon Björk gemischt. Das ist schon eine Referenz. Ich habe ihm zwei Nummern zum Test-Mastering geschickt und war vom Ergebnis so begeistert, dass wir letztlich alles dort machen ließen.

Deine Stimme tritt in sehr unterschiedlichen Facetten auf. Experiment oder Entwicklung?

Entwicklung. Bei den deutschen Nummern wäre die Stimme mehr im Vordergrund gewesen. Bei den neuen Sachen wollte ich den Solisten mehr Platz einräumen.

Tut man sich da als Sänger hart, sich selbst zurück zu nehmen?

Da ich die Songs am Computer komponiert und arrangiert habe, empfand ich die "Sängerin" nicht als wesentlichsten Bestandteil meiner Arbeit, sondern als einen Teil vom Ganzen. Es galt, alle mir möglichen Mittel der Produktion im besten Sinne zur Verfügung zu stellen.

Einmal klingst Du verzerrt, dann wieder natürlich und klar. Wo fühlst Du Dich am wohlsten?

Kann ich so gar nicht beantworten, denn eingesungen hab ichs ja immer ohne Effekte. Die hab ich erst im Nachhinein dazu programmiert. Die Frage kann ich erst beantworten, wenn ich das Konzert hinter mir habe, weil ich teils auch live mit Verzerrungen arbeiten will. Das ist eine neue Herausforderung.

Wie kann man sich das vorstellen?

Im Studio machst du, was dir einfällt. Da stellt sich die Frage nicht, ob das live leicht oder schwer umzusetzen ist. Die stellt sich erst jetzt.

Was ist das Problem? Die Klanglichkeit?

Genau. Ich kann den Sound live nicht 1:1 übersetzen. Die Arrangements werden ausgedünnt, sodass die Musiker live viel mehr Raum und Platz zur Improvisation haben.

Sprich: Live wird es mehr in Richtung Jazz gehen.

Sicher. Mit diesen wunderbaren Jazzmusikern...

Hast Du Tourpläne?

Im März geht es nach Japan, dann nach Mexiko. Vorher versuchen wir noch, einen Termin in Bruck an der Leitha zu realisieren. (lacht) Im Ernst: Wir sind im Gespräch mit mehreren Locations. Es wird sich erst weisen, ob wir diese Termine dann in der großen Besetzung (Fünf Musiker und eine für Visuals zuständige Künstlerin) oder in kleinerer Besetzung absolvieren.

Wurde die CD eigentlich gefördert?

Der SKE-Fonds hat mich unterstützt, wofür ich sehr dankbar bin. Mit diesem Geld konnte ich fast das ganze Presswerk finanzieren. Ursprünglich hatte ich ja auch ein Videokonzept. Du kannst aber nirgends für etwas Derartiges einreichen. Beim Musikfonds, wo ich insgesamt dreimal eingereicht habe, bin ich auch dreimal abgelehnt worden.

Wie würdest Du Deine Musik beschreiben. In welchem Genre fühlst Du Dich wohl?

Als ich die Pressetexte schrieb, hab ich mir das auch überlegt. Eigentlich im Jazz, aber auch im anspruchsvollen Pop, in der Elektronik und im Trip Hop. Zu Hause bin ich dort, wo die Grenzen ineinander fließen, wo es offen ist und man nicht in eine Schublade gesteckt wird. Dort wo es möglich ist, dieser Mischung aus vielen Dingen einen Rahmen zu geben.

zurück weiter  zurück/weiter Übersicht/Seitenanfang  Übersicht / Seitenanfang
 
 
 
> news
> remix ep
> watch
> listen
> about
> concerts
> press
> buy
> myspace
> newsletter
> contact
> photos
> live pics
 
in memoriam
christoph moser